Besuch am J-PARC

…oder wie es dazu kam, dass ich einen Linienbus steuerte.

Das ist mal wieder eine der Geschichten, die das Leben schreibt, die einem spĂ€ter niemand glaubt. Aber ich will sie meiner Leserschaft nicht vorenthalten. 😉

Heute Morgen hatte ich einen Termin am J-PARC, einem Beschleunigerinstitut, dass eng mit dem KEK verflochten und in einer Entfernung von etwa 75 km auf dem GelÀnde der JAEA (Japanische Atom Energie Behörde) angesiedelt ist. Zwischen beiden Instituten gibt es einen Pendelbus, den ich heute Morgen, wie geplant, nahm.

Nachdem der Bus das Haupttor passierte, hielt dieser an und ein Wachmann kam herein und prĂŒfte die Zugangsberechtigung eines jeden Passagiers. Danach stieg er wieder aus und der Bus fuhr los. Es sei an dieser Stelle kurz erwĂ€hnt, dass die Fahrerseite in Japan rechts ist und ich auf dem Platz direkt hinter dem Busfahrer saß. Nachdem sich der Bus schon einige Meter in Bewegung gesetzt und bereits eine gewisse Geschwindigkeit aufgenommen hatte, bemerkte ich, wie die Brille des Busfahrers zu Boden und Richtung der TĂŒr fiel. Als ich zum Busfahrer schaute, sah ich, dass dieser das Bewusstsein verloren hatte und ohne jedwede Körperspannung nach links in seinem Sitz lehnte. Da der Bus somit außer Kontrolle war und auf eine Absperrung zufuhr, die auf der Straße montiert war, um den Verkehr zu verlangsamen, sprang ich auf und ergriff das Steuer. Zum GlĂŒck war der Bus langsam genug, dass ich erst um eine Absperrung auf der linken Straßenseite und danach um eine auf der rechten Straßenseite herumsteuern konnte. Dabei versuchte ich das Bremspedal zu erreichen. Da der Busfahrer aber noch seine Beine dort hatte, konnte ich nur das Kupplungspedal erreichen. Zum GlĂŒck kam mir ein weiterer Fahrgast zur Hilfe. So steuerte ich weiter den Bus, wĂ€hrend er den Busfahrer in seinem Sitz aufrichtete und danach das Bremspedal betĂ€tigte. Nachdem wir den Bus zum Stehen gebracht hatten, stellten wir den Motor ab, öffneten die TĂŒr und betĂ€tigten lange die Hupe, so dass die Wache an der Pforte Bescheid wusste, dass etwas nicht stimmte. Eine Sekunden danach kam der Busfahrer wieder zu sich, schien aber sehr verwirrt zu sein. Als sich der Wachmann dann der Situation angenommen hatte, stiegen alle FahrgĂ€ste aus dem Bus.

Zum GlĂŒck war das Ganze bei einer recht langsamen Geschwindigkeit passiert, so dass niemand verletzt wurde. Es wurden auch keine SchĂ€den am Bus oder der Umgebung verursacht.

Einer e-mail zu Folge, die ich spĂ€ter am Tag von der Verwaltung des Tokai Campus bekam, nachdem ich einen schriftlichen Bericht ĂŒber den Vorfall geschickt hatte, wurde der Busfahrer danach ins Krankenhaus geschickt und es geht ihm soweit wieder gut. Zudem haben sie noch dies hier geschrieben:

“Dear Mr. Omet,

 […] The driver was sent to a hospital after the accident. As far as we know his condition is ok.

If you didn’t steer the wheel this may have gotten to a severe situation.

On the behalf of the Tokai-Campus administrative division, I thank you for your brave action.

Best regards […]”

Der eigentliche Termin danach war sehr interessant und beeindruckend. Ich war mit einem deutschen Mitarbeiter dort verabredet, der mir eine FĂŒhrung durch das GelĂ€nde und einige Anlagen gab. Neben den sehr interessanten technischen Dingen, war es Ă€ußerst beeindruckend, die Spuren des großen Erdbebens Anfang des Jahres mit eigenen Augen zu sehen. Die Verwerfungen im Boden und SchĂ€den an GebĂ€uden waren unglaublich. An vielen Straßen auf dem GelĂ€nde gaben es auch heute Baustellen in Folge dessen.

Spannend war noch eine kleine Eigenheit des Campus dort. Es fĂŒhrt quer ĂŒber das GelĂ€nde eine Straße von der Stadt zum Meer. DafĂŒr wurde u.a. extra eine UnterfĂŒhrung fĂŒr eine Campusstraße gebaut. Die Verbindung von der Stadt zum Meer benötigen die Einwohner fĂŒr eine jĂ€hrliche Feierlichkeit, bei der sie zum Meer marschieren.

Was die Folgen des Erdbebens angeht, so konnte man auch auf der RĂŒckfahrt in Tokai einige Schrotthalden sehen, auf denen noch immer durch das Erdbeben zerstörte Dinge gesammelt herumliegen.

Der Bus (vor der Fahrt am KEK aufgenommen) 😉

Einer der Ansperrungen, um die ich den Bus herumgesteuert habe (auf der RĂŒckfahrt aufgenommen)

Eine Verwerfung in einer Halle im Boden, der vorher eben war

Da in der Halle, in der der KavitĂ€tenteststand ist, immer noch GegenstĂ€nde von der Decker herab zu stĂŒrzen drohen, ist die Halle eigentlich gesperrt. Die AufrĂ€umarbeiten konnten hier noch nicht beginnen.

Eine von vielen Lampen, die von der Decke gefallen sind

Der KavitĂ€tenteststand von außen

Der KavitÀtensteststand von innen

Da es dort keinen Strom gibt, musste man eine Taschenlampe benutzen

Hier eine KavtitĂ€t in einer anderen Halle, die fĂŒr den Einsatz im Main Ring fertiggestellt wurde.

Halbscheiben, mit denen die KavitĂ€ten gefĂŒllt werden.

Die Verwerfungen im Boden waren gut an GebĂ€uden zu sehen. Diese sind auf Betonplatten gebaut, der umliegende Untergrund besteht nur aus Sand. Somit hat sich dieser im Vergleich zur Betonplatte mehr abgesenkt. Die beiden hellen Bereiche des Bodens im Bild links und rechts waren vor dem Erdbeben auf einer Höhe. Jetzt betrĂ€gt der Unterschied etwa 30 cm und ein Übergang aus Asphalt wurde geschaffen.

Auch an der Wand des GebÀudes, sieht man an der Schmutzkante, wie sich der Boden darum abgesenkt hat.

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3 Responses to Besuch am J-PARC

  1. Martin says:

    Der absolute Hammer. Das glaubt einem spĂ€ter wirklich keiner. Aber fĂŒrs nĂ€chste mal musst du den Bus erstmal beschleunigen und dann jedem sagen, dass wenn du langsamer fĂ€hrst eine Bombe hoch geht. Man muss ja schließlich ausnutzen das man mal nen Bus fahren darf 🙂

  2. Daniel says:

    Zacku desu neeeee!

  3. Colin says:

    Das ist ja echt wie bei Speed….